o.T. – Woche 3

Jedes Mal ein bißchen anders!

Die erste Woche von “o.T. (2016)”

Die erste Woche unserer Ausstellung ist vorüber. An jedem Abend dokumentierte ich den Zustand der Skulptur ohne Titel, die in der Ausstellung im letzten Raum zu finden ist und einlädt, sie zu bemalen oder zu bekritzeln. An jedem Abend wird das Gesicht wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Jedoch schleichen sich mit der Zeit kleine Spuren und Kratzer ein, die von den ehemaligen Bemalungen zurückbleiben.

END|SPIEL|ZEIT_Ausstellung_07©Ramona_Taterra_2016
o.T. (2016) // Bemalung

Alte Arbeiten, neue Versionen

Zwischenstand nach der letzten Woche. Das Gesicht ist fertig geschliffen, gespachtelt, geschliffen – und mit Tafellack gestrichen. Danke an Lisette Schürer für das Maskenspiel. Das dritte Jewel Suicide Kit ist auch fertig montiert. Auf zum nächsten Schritt.

Achja, für die Ohren: Agathie Christies Hercule Poirot in “Das Böse unter der Sonne”

Alte Arbeit, neue Dimensionen

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit diesem lächelnden Gesicht. Es handelt sich hierbei um eine Wiederaufnahme einer schon existierenden Arbeit, die in ihren Proportionen nicht stimmte. Einfach zu klein.

Die neue Version wird deutlich größer. Material, wie schon damals: Pappmaché mit Sägemehl, allerdings aufgrund der Größe auf ein kaschiertes Drahtgestell aufgebracht. Nachdem ich gestern die Augen ausgeschnitten habe, kommt der Modellierungsprozess nun langsam zum Ende. Die beiden Gesichtshälften sind inzwischen relativ ähnlich. Die Stirn muß noch gerade geschnitten werden. Augenbrauen fehlen. Aber im wesentlichen heißt es nun: viel schleifen, korrigieren, nachschleifen und ab und zu mal streichen, damit sich die kleinen Unebenheiten der Oberfläche schließen.

Zwischenstand: Gesichter

Gesichter (neutral) © Ramona Taterra Gesichter_bemalt

Die erste Ausstellung ist überstanden, ohne Kratzer oder Brüche.

Nur das verhaltene Ergebnis erstaunt mich. Ich ging davon aus, daß am Ende der Show das ganze Objekt, nicht nur die Gesichter, mit einer kompletten Kreideschicht überzogen ist, anstelle dieser zögerliche Strichelchen.

There … I fixed it.

Gesichter 05 © Ramona Taterra 2014

Hm, nach 3 erfolgreichen Abgüssen wollte der vierte nicht in einem Stück und auch nur unter großer Gewaltanwenung aus seiner Gipsform heraus. Eigentlich eher umgekehrt – die Gipshülle ließ sich nicht vom Abguss trennen. Als unter Zuhilfenahme von Hammer, Stechbeitel und Dremel-Mini-Flex die Trennung schließlich gelang, was der größte Teil der Oberfläche hinüber und das Gesicht an mehreren Stellen gebrochen.

Warum?

Trennmittel vergessen! Wie eine gute Freundin es kommentieren würde: “Scheißchen is’ …”

Nach ein paar Reparaturrunden konnte ich den Abguss jedoch retten, war mir anfänglich aber nicht so sicher. 3D-Echtzeit-Material-Retusche! (Wer braucht schon Photoshop?) Jetzt bin ich beruhigt, daß Gesicht Nr. 4 ‘gerettet’ und erst einmal fertig ist. Hausaufgaben bezüglich des korrekten Materialumgangs sind gemacht. Gips lackieren und zusätzlich mit einem Trennmittel ausstreichen. Mal sehen, ob das besser funktioniert. Die nächste Negativform ist inwendig lackiert-bestrichen und mit Pappmaché ausgekleidet.

Achja, noch etwas. Ganz beruhigend irgendwie:

“Wir sind alle der Gnade eines herabfallenden Dachziegels ausgeliefert.
Uns bleibt nur das Bild Jupiters, wie er umhergeht und Dachziegel
lockert, die dann auf einen Limonadeverkaeufer oder auf Caesar fallen.”

(Thornton Wilder, Die Iden des März)

Der Wald muss warten …

Gesichter©Ramona Taterra

Nach vielen Probedrucken und der mangelnden  Eingebung, auf welche Weise das Motiv kraftvoll zu inszenieren wäre, muss der Linoleumwald warten. Stattdessen modeliere ich einige lächelnde Gesichter. Vielleicht 5 oder 6. Genau weiß ich das noch nicht. Dafür aber sind die Materialien klar. Das erste Gesicht habe ich vorgestern aus seiner Form geholt und geschliffen, das zweite heute in seiner Gipsform “abgegossen”, das dritte vorgezeichnet und mit der Gestaltung begonnen.

Nebenbei ein bißchen auf Brautigans Site Gedichte gelesen und das hier besonders gut gefunden …

Adrenalin Mother
Adrenalin Mother,
with your dress of comets
and shoes of swift bird wings
and shadow of jumping fish,
thank you for touching,
understanding and loving my life.
Without you, I am dead.

(Richard Brautigan)

Collier der Fleißigen

Collier der Fleißigen // Ramona Taterra

Collier der Fleißigen // Ramona Taterra Collier der Fleißigen // Ramona Taterra

Auf dem Heimweg neulich fiel mir plötzlich auf, daß sich bei mir im Laufe der Zeit so ein gewisser Oberflächenfetischismus eingeschlichen hat. Nie würde ich sonst freiwillig so viel geschliffen, übergestrichen, nachgeschliffen haben wie in den letzten 4 Tagen. Nicht unwesentlich beeinflusst hat mich sicher die jahrelange Arbeit bei Felix Heppert, Ixform Werkstätten Berlin,  an Riemenfisch, Mondfisch, Riesenhai und anderen Sub- bzw. Objekten und auch die studiobedingte Nähe zur äußerst talentierten Bühnenbildnerin und Puppenbauerin Lisette Schürer.
Jetzt bin ich auch infiziert mit dem Virus der Oberflächenperfektionierung und habe mir die Finger wundgeschliffen. Das Ergebnis kann sich, wie ich finde, sehen lassen.

Collier für die fleißige Hausfrau

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Die Zeit rennt, obwohl der Blick nach draußen einen glauben machen könnte, es sei erst Anfang des Jahres. Der nächste Punkt auf meiner Agenda: Collier für die fleißige Hausfrau! Das Collier selbst ist schon seit Monaten fertig, der Edelstahl-Sockel seit gestern, die Büste so halb … Das Arbeiten mit Pappmaché ist wirklich toll. Das Material ist abgesehen von seinen Trocknungszeiten so gefällig!