Ein Jahr geht schnell vorbei

Letzten August habe ich auf dem Heimweg von Dresden nach Berlin die ersten Skizzen zu der Radierung gemacht, die seit gestern offiziell fertig ist. Hätte ich letzten Sommer geahnt, wie lange ich mit dem Motiv beschäftigt sein und wieviele Wartezeiten und Geduldsproben das Projekt beinhalteten würde, wäre ich wahrscheinlich ziemlich schnell in eine andere Richtung abgebogen.
Gestern war ich an der großen Tiefdruckpresse, einer gemütlichen Riesin im Zentrum der Radierwerkstatt, zugange und habe einen einzigen Druck zustande gebracht. Den ersten! Und was für einen!

Voilà!

“Votivtäfelchen”
99 x 99 cm, 400er Arches-Bütten, 2019, Edition: tja …

In den nächsten Wochen werde ich mit einigem Aufwand eine kleine Edition produzieren und hoffentlich bald eine passende Möglichkeit finden, das Motiv auszustellen. Eine Preview gibt es in jedem Fall am 15. Juni 2019 beim alljährlichen Sommerfest im Bethanien.

Lebewohl, Litfaßsäule (Teil 2)

An diesem Wochenende habe ich das Atelier bei diesem kurzfristigen Blitzfrühling einmal mehr auf die Straße verlegt. Vielen Dank an A.J. für die großartige Unterstützung!

Lebewohl, Litfaßsäule

Die klassische, althergebrachte Litfaßsäule verschwindet nach 164 Jahren aus dem Stadtbild – obwohl sie eine Ur-Berliner Erfindung ist.

Mike Wilms & Christian Gehrke / Berliner Zeitung / 28.01.2019

 

Schade … aber nichts ist für immer. Bleibt nur, sich in den kommenden Wochen gebührend von den Betondinosauriern zu verabschieden und stattdessen die unzerstörbaren und wartungsarmen Roll- bzw. Digitaldisplays aus verschiedenen Metallen, Acrylscheiben, Kunststoffen und mit Stromversorgung willkommen zu heißen.

 

Fotos: Franziska Harnisch & Ramona Taterra

Fi-Naaa-Leeeee.

Nach einem wunderschönen Wochenende auf dem Land, kam ich gestern wohl mit etwas Rückenwind und ausgeruhten Augen zurück an meine Arbeit. Die letzte der sechzehn Platten war zwar schon vorgezeichnet, d. h. das Motiv übertragen, aber abgesehen von den Hauptlinien hatte ich noch nichts geritzt. Es ist ein zeitintensiver Prozess, die ganzen feinen Details anzulegen und dabei die Regelmäßigkeit der Muster nicht ganz außer Acht zu lassen. Irgendwann (oder leider) schleicht sich dann auch ein gewisser Belastungsschmerz in die Muskeln der Arbeitshand … Trotzdem war die LETZTE PLATTE nach einem fünfstündigen Radiernadelmarathon fertig für’s Säurebad. Jippieh!

Gedruckt wird aber erst im kommenden Jahr. Das Motiv und ich brauchen nach der intensiven Beschäftigung der vergangenen 8 Wochen ein bisserl Distanz und meine Augen und Hände etwas Ruhe.

Der rote Feger – oder: G’sägt is!

Ein glücklicher Zufall hat meine Arbeit ziemlich in Schwung gebracht. Die Dekupiersäge, die ich mir gerne in den letzten Wochen bei irgendjemandem ausgeliehen hätte, konnte ich nirgends finden. Zu speziell vielleicht? Das Gerät selbst zu kaufen, stand aufgrund des hohen Preises leider völlig außer Frage. Als ich gar nicht mehr daran dachte und mich schon damit anbefunden hatte, alles mühsam per Hand zu sägen, stand sie plötzlich vor mir – in der Künstlerwerkstatt, in der ich oft arbeite. Ich durfte das Teilchen für 3 Tage ausleihen und habe in den vergangenen Tage, statt in der absurd warmen Oktobersonne zu braten, in konzentrierter Einsamkeit alle Platten zugesägt, die zu dem neuen Werk dazugehören.

Schritt 2: fertig!!!

Schritt 2⅔: und noch weiter geht’s

Telefonat mit A.:

“Na, die Oberarme sind jetzt fertig gesägt und geritzt und müssen am Montag in die Säure.”

“Mann, das klingt ganz schön brutal, wenn man nicht weiß, worum es geht!”

Am Montag waren die Oberarme also in der Säure. Natürlich mußte ich den Moment auskosten und einen richtig schönen Probedruck machen.

Voilà!